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Kapitel 4: Das Blaue Gold – Die Nutzung des Wassers

Tipps zum Wassersparen und zum Gewässerschutz



Wo man auch hinschaut, überall ist man hierzulande in irgendeiner Art von feuchtem Nass umgeben. Bäche, Flüsse, Seen, Meere, Regen und Schnee. In Gedanken an diese riesigen Wassermengen verstehen viele Menschen nicht, warum Wasser knapp werden soll und der Preis für Trinkwasser ständig angehoben wird. Leider können von den anscheinend unerschöpflichen Wasserreserven der Erde nur geringe Teile für die Trinkwassergewinnung sinnvoll genutzt werden.

Kalter Kaffee werden Sie sich sagen, denn seit vierzig Jahren hat sich daran doch nichts geändert, also warum steigen jetzt die Trinkwasserpreise? Grob gesagt hat das zwei Ursachen: Die Nachfrage nach Trinkwasser ist in den letzten 40 Jahren durch die Bevölkerungszunahme und die Erhöhung des privaten Prokopf-Verbrauchs von täglich ca. 90 auf 130 Liter, erheblich gestiegen. Dabei ist der erhöhte Verbrauch in der Industrie zur Herstellung unserer Konsumgüter noch gar nicht mitgerechnet.

Gleichzeitig ist aber das Angebot von einwandfreiem Grund- bzw. Rohwasser drastisch gesunken. Denn obwohl man von dem "natürlichen Wasserkreislauf" spricht, ist durch die zunehmende Verunreinigung des Grundwassers mit Nitraten, Pestiziden und anderen chemischen Verbindungen, durch die gestiegene Bodenversiegelung und durch die extensive Ausbeutung die Regeneration des Grundwassers stark gefährdet. Schon heute müssen die deutschen Wasserversorgungsunternehmen jährlich ca. 2 Milliarden Mark für die Wassergewinnung und -aufbereitung ausgeben, um genügend Trinkwasser in der gesetzlich geforderten Qualität produzieren zu können. Experten schätzen, daß in Zukunft der technische Aufwand für die Trinkwassergewinnung und die damit verbundenen Kosten noch erheblich steigen werden.

Durchschnittlicher Wassergebrauch pro Person und Tag

Trinken ca. 1 Liter
Kochen ca. 4 Liter
Geschirrspülen ca. 2-3 Liter
Waschen ca. 9 Liter
Zähne putzen ca. 1 Liter
Baden (zweimal wöchentlich) ca. 30 Liter
Duschen (zweimal wöchentlich) ca. 20 Liter
Waschmaschine ca. 20 Liter
Wohnung reinigen ca. 3 Liter
Toilette ca. 30 Liter
Autowäsche ca. 3 Liter
Blumen gießen ca. 1 Liter
Gartenbewässerung ca. 1 Liter
Gesamtgebrauch: ca. 126 Liter
pro Person und Tag

 

Tipps zum Wassersparen und Gewässerschutz

Topfgucker

  • Beim Salat- und Gemüseputzen das Wasser in einer Schüssel oder einem Eimer auffangen und zum Blumengießen verwenden.
  • Das Wasser, das zum Kochen und Dünsten von Kartoffeln und Gemüse verwendet wurde enthält viele wertvolle Nährstoffe. Es kann als Gemüsedrink getrunken oder als Basis für die nächste Gemüsesuppe oder den nächsten Eintopf verwendet werden. Oder zumindest zum Blumengießen.

 

Tellerwäscher

Fast jeder dritte Tropfen Wasser im Haushalt wird zum Geschirrspülen verwendet. Maschinen-Spülmittel reagieren äußerst aggressiv, sie sollten daher sparsam dosiert werden.

  • Voll beladen und im Sparbetrieb sinkt der Verbrauch Ihrer Spülmaschine um fast die Hälfte. Denken Sie daran: Wasser ist Leben.
  • Auf Klarspüler verzichten! Ein Spritzer Essig wirkt ebenso. Klarspüler enthalten Tenside, die auf dem Geschirr haften bleiben und mit der nächsten Mahlzeit im Magen landen.
  • Handwäsche braucht nicht weniger Wasser. Auch hier gilt: Spülmittel wirken nicht erst, wenn es richtig schäumt. Ein Spritzer reicht tatsächlich. Töpfe und Pfannen werden auch ohne "chemische Keulen" wieder makellos sauber. Das meiste besorgen ohnehin die mechanische Bewegungen des Reibens oder Bürstens und das heiße Wasser. Selbsttrocknende Spülmittel haben den gleichen Effekt wie Klarspüler in der Maschine. Deshalb: Verzichten Sie darauf!
  • Für das Nachspülen reicht wenig fließendes Wasser. Nicht das zweite Spülbecken mit klarem Wasser füllen – nach wenigen klargespülten Teilen schwimmt das Spülmittel auf der Oberfläche und legt sich beim Herausnehmen des Geschirrs wieder darauf! Entweder das Spülbecken zu Beginn nur zur Hälfte füllen und das Geschirr darüber klarspülen oder das Klarspülwasser im zweiten Becken sammeln und zum Vorspülen der nächsten Ladung nutzen.
  • Durchflussbegrenzer für den Wasserhahn kosten nicht viel und helfen Wasser zu sparen. Die Anschaffungskosten sind schon nach wenigen Monaten amortisiert.

 

Badewannenkapitäne

  • Duschen statt baden; das bedeutet 30-50 Liter statt 150-180 Liter Wasserverbrauch.
  • Während des Einseifens die Dusche abstellen.
  • Duschen mit Thermostaten oder Einhandmischern versehen, um sofort die gewünschte Temperatur zu haben; darauf ist besonders bei der Erst- und Neuinstallation zu achten.
  • Gleiche Wirkung hat der Einbau eines Kugelventils; die Nachrüstung ist einfach und für ca. 40,00 DM erschwinglich.
  • Sparduschköpfe anbringen (Druchlaufbegrenzung auf 12 l/Min.).
  • Durchlaufbegrenzer am Waschbecken einsetzen (6 l/Min.); der Wasserstrahl wird durch einen höheren Luftanteil verstärkt, das bedeutet gleiche Reinigungsleistung mit weniger Wasser (Preis für einen Perlator: ca. 5,00 DM).
  • Beim Zähneputzen das Wasser abstellen; Zahnputzbecher verwenden!
  • Bei der Nassrasur zum Abspülen des Rasierapparats lieber wenig Wasser ins Becken füllen als das Wasser ständig laufen zu lassen.

 

Das "Stille Örtchen"

  • Bei "kleineren Geschäften" werden nur 2-3 Liter Wasser zu Spülen benötigt. Die Benutzung der "Spartaste" hilft 40-60% des Spülwassers zu sparen!
  • Alte Spülkästen können mit einem Wasserspareinsatz nachgerüstet werden. (Erkundigung bei Sanitärgeschäften, in Baumärkten oder im Naturwarenhandel). Neue Spülkästen sind i.d.R. mit einer Spartaste vesehen, dennoch bei der Anschaffung darauf achten.
  • Auch Druckspüler gibt es in der Sparversion. Ein Austausch alter Druckspüler macht sich schon nach kurzer Zeit durch das eingesparte Wasser bezahlt. Noch besser wäre, die gesamte Toilette gegen eine moderne auszuwechseln. Auch das rechnet sich!
  • Beim Hausbau sollte eine Regenwasseranlage (auch Grauwasseranlage genannt) eingeplant werden. Das Regenwasser wird über die Dachfläche aufgefangen, gereinigt und für die Toilettenspülung verwendet. Dafür muss ein zweites Leitungssystem eingeplant und installiert werden. Eine solche Anlage kostet ca. 6.000 DM, die sich schon nach wenigen Jahren amortisiert haben.

Täglich rauschen Abfälle durch die Toiletten ins Abwasser und von dort in die Kläranlage. Das "Stille Örtchen" ist kein Müllschlucker!

  • Zigarettenstummel, Q-Tips oder Hygienebinden gehören in den Mülleimer! Sie können nicht nur die Rohre verstopfen, sondern müssen mit großem Aufwand aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Das gilt auch für Küchenabfälle. Organischen Hausmüll entsorgen Sie am besten auf den Komposthaufen oder – wenn vorhanden – in der Biotonne. Denken Sie daran: Wasser ist Leben. Darum:
  • Farbreste, Terpentin und sonstige Lösungsmittel gehören wie alte Kosmetika und Reste von Medikamenten weder in die Toilette noch in den Abfalleimer. Sie zählen zum Sondermüll. In jeder Stadt und jedem Kreis gibt es Sondermüllsammelstellen oder Schadstoffmobile. Viele Apotheken nehmen überflüssige Tinkturen und Tabletten zurück.
  • WC- und Abflussreiniger bestehen aus starken Laugen und gehören auf den Sondermüll. Wer seine Toilette regelmäßig mit Schmierseife ausbürstet, kann auf die "chemische Keule" verzichten. Harn- oder Wassersteinablagerungen und Verkrustungen können mit chlorfreiem Scheuerpulver und/oder Essig (nicht verdünnt) entfernt werden.

 

Waschtag

  • Wasser ist von Natur aus ein sehr gutes Lösungsmittel. Waschmittel deshalb möglichst sparsam dosieren. Denn: Wasser ist Leben. Jedes Waschmittel enthält chemische Stoffe, die unsere Gewässer stark belasten.
  • Als Faustregel gilt: je weicher das Wasser desto weniger Waschpulver. Es gibt vier Härtebereiche. Die Härte Ihres Wassers erfahren Sie bei Ihrem Wasserwerk bzw. bei den Stadtwerken. Eine Hilfestellung zum richtigen Dosieren findet sich auf jeder Packung. Unser Rat: Weniger tut’s auch!
  • Nur waschen, wenn es wirklich notwendig ist: Die Wäschetrommel immer vollständig füllen.
  • Beim Kauf einer neuen Waschmaschine auf sparsamen Wasser- und Energieverbrauch achten.
  • Bei normalem Verschmutzungsgrad kurze Waschprogramme wählen.
  • Statt der herkömmlichen Vollwaschmittel lieber Baukastensysteme verwenden. Das ist die umweltfreundlichste Methode, "sauber" zu waschen.
  • Auf Weichspüler verzichten, ein Schuss Essig reicht, aber es geht auch ohne.

 

Gärtnern ohne Gift

  • Pflanzen brauchen in erster Linie Wasser, Licht und gute Pflege. Kunstdünger, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel hingegen vergiften Böden und Wasser. Auf diese Hilfsmittel sollten Sie völlig verzichten. Denken Sie daran: Wasser ist Leben.
  • Durch den Naturdünger vom eigenen Kompost erreichen Sie das gewünschte Ziel auf biologischem Wege und entlasten Ihren Hausmüll bis zu einem Drittel. Durch Pflanzenvielfalt schaffen Sie biologisches Gleichgewicht und machen die chemische Keule überflüssig. Die Allzweckwaffe des biologischen Gärtners ist der Brennesselsud.
  • Gezielt gießen ist besser als "Dauerberieselung". Selbst verbrannter Rasen regeneriert sich
  • Wasser aus der Regentonne ist ideal für den Garten – aber sonst: Finger weg. Der Hygiene wegen.
  • Das Wasser vom Salat- und Gemüseputzen zum Blumengießen verwenden.

 

Autowaschen und Ölwechsel

  • Um unser wichtigstes Lebensmittel, das Wasser, nicht unnötig zu verschmutzen, werden Autos grundsätzlich in der Waschanlage gepflegt. Denn: Wasser ist Leben.
  • Beim Autowaschen auf der Straße oder dem Hof kann öl- und reinigungsmittelhaltiges Schmutzwasser ungeklärt in Bäche, Flüsse und das Grundwasser gelangen. Tankstellen und "Waschstraßen" verfügen über Ölabscheider, sodass kein Tropfen Öl in den Wasserkreislauf gerät.
  • Auf Motor- und Felgenreinigungssprays sollten Sie unbedingt verzichten. Und einfacher Spiritus schafft klare Sicht nach allen Seiten: Die Scheiben werden klar und sauber, wenn Sie sie mit Spiritus abreiben. Und im Winter sorgen ein paar Spritzer Spiritus in der "Scheiben-Wisch-Wasch-Anlage" dafür, dass das Wasser nicht einfriert. So kann auf teure chemische Frostschutzmittel verzichtet werden. Übrigens: In der Regel reicht es, den Wagen zweimal im Monat zu waschen.
  • Größte Vorsicht ist beim Ölwechsel geboten. Schon ein Tropfen Öl verseucht 1.000 Liter Wasser. Altöl kann dort zurückgegeben werden, wo es gekauft wurde. Besser ist es aber, den Ölwechsel in Fachbetrieben durchführen zu lassen, da diese über Ölabscheider verfügen.

 

Heißer Tipp für kalte Tage

Wenn die Tage kürzer werden und Väterchen Frost seine Vorboten schickt, ist Vorsicht angesagt: Warten Sie nicht, bis die Temperaturen "in den Keller sacken". Machen Sie Ihr Haus rechtzeitig winterfest.

  • Wasserzähler und -Leitungen überstehen frostige Zeiten nur dann schadlos, wenn sie geschützt werden. Kellerfenster und -Türen sollten geschlossen bleiben. Zugluft erhöht die Frostgefahr. Vergewissern Sie sich, dass Zähler und Leitungen nicht zufrieren können. So vermeiden Sie einen Wasserrohrbruch. Im Zweifelsfall die Installationen mit Isoliermaterial schützen.
  • Entleeren und sperren Sie die Leitungen aller Außenanlagen in Hof und Garten.
  • Zugefrorene Wasserzähler und -leitungen nicht in Selbsthilfe auftauen! Um Schäden zu vermeiden, wenden Sie sich an einen Fachmann oder direkt an Ihr Wasserversorgungsunternehmen.
  • Die "Wisch-Wasch-Anlage" Ihres Autos braucht keine chemischen Zusätze. Einfacher Spiritus reicht als Frostschutz.

 

Schneetreiben

  • Der Winter präsentiert der Natur eine gesalzene Rechnung. Schnee und Eis auf Gehwegen und in Hauseingängen werden immer noch mit Streusalz bekämpft, das dann über die Kanalisation in die Gewässer gelangt. Verzichten Sie auf salzhaltiges Streugut. Denn: Wasser ist Leben.
  • Kies, Sand Split oder Granulat sorgen für Trittsicherheit auf Straßen und Gehwegen und schonen gleichzeitig die Umwelt.

 

Tapetenwechsel

Vor allem im Frühjahr werkeln viele Menschen an der Verschönerung der Wohnung oder Haus. Jede Renovierung hinterlässt umweltschädliche Spuren.

  • Farb- und Lackreste, Terpentin und andere Lösungsmittel gehören nicht ins Spülbecken und auch nicht in die Toilette, sonst können sie in Bäche, Flüsse oder Grundwasser gelangen. Denken Sie daran: Wasser ist Leben. Schützen Sie unsere Umwelt und Ihre Gesundheit. Farben, Lacke und Lösungsmittel gehören auf den Sondermüll.
  • Schon beim Einkauf mit Umsicht zugreifen. Für Materialien entscheiden, die als umweltverträglich gekennzeichnet sind.
  • Nur schadstoffarme Lacke benutzen, möglichst frei von Schwermetallen und ohne Lösungsmittel.
  • Nicht vergessen: Auch sogenannte schadstoffarme Materialien sind nicht frei von umweltschädigenden Giften. Auch sie gehören auf keinen Fall ins Abwasser!

 

Klar Schiff

Leinen los! Im Sommer stechen die Freizeitkapitäne wieder in See. Gerade wer jetzt die nahen Gewässer als Regionen der Erholung und Entspannung nutzt, kann viel dazu beitragen, unnötige Belastungen zu verhindern. Denn: Wasser ist Leben.

  • Ganz klar: Viel sportlicher als ein Motorboot ist ein Segelboot hart am Wind. Und wer unter prallem Tuch schippert, verursacht keine hässlichen Ölflecken, verschüttet kein Benzin. Für alle Freizeitkapitäne gilt: Keinen Abfall in die Gewässer!
  • Und jeder kann mithelfen, dass beim "Klar-Schiff-machen" nicht trübe Hafenbecken zurückbleiben. Statt harter Reinigungsmittel genügen oft auch ein paar Spritzer Essig oder Zitronensaft, dazu etwas Muskelkraft und viel Wasser.
  • Wer sich selbst in die Fluten stürzt – oder als Surfer Gefahr läuft zu stürzen -, sollte nicht gerade unmittelbar davon in Sonnenöl oder -creme geschwelgt haben. Wasser baut diese Fette nur langsam ab.
  • Außerdem sind Surfer und Skipper gleichermaßen aufgerufen, Rücksicht auf die Natur zu nehmen. Sie sollten sich insbesondere fernhalten vom Schilf am Ufer der Flüsse und Seen. Denn mit der Vitalität dieser wertvollen Ufervegetation steht und fällt die Selbstreinigung der Gewässer.

 

Weitere Tipps

  • Aus einem undichten Wasserhahn tropfen in einer Stunde bis zu 0,7 Liter; das sind fast 17 Liter am Tag! Also undichte Wasserhähne und Toilettenspülungen sofort abdichten (lassen)!
  • Umweltschutz- oder Recyclingpapier statt weißes Papier benutzen, da bei ihrer Herstellung wesentlich weniger Wasser verbraucht wird. Wenn es unbedingt weißes sein muss sollte es wenigstens chlorfrei gebleicht sein (auf den blauen Umweltengel achten).
  • Beim Einkauf von Haushaltsreinigern auf umweltfreundliche Marken achten!
  • Auch der Einkauf von Lebensmitteln aus biologischem oder organischem Anbau hilft, Wasser zu sparen und trägt zum Gewässerschutz bei, da in den entsprechenden landwirtschaftlichen Betrieben weniger bzw. keine künstlichen Düngemittel eingesetzt werden.


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